Tinnitus

Ohrgeräusche - Klingeln im Ohr - Phantomgeräusche - es gibt so viele Bezeichnungen für das Thema.

 Eines haben alle gemeinsam, es werden Geräusche wahrgenommen, die von außen in der Regel nicht erzeugt wurden.

 Es gibt aber auch einige Unterschiede und Tinnitus ist nicht gleich Tinnitus...

Was ist eigentlich Tinnitus?

So viel noch über Ursachen diskutiert wird, mittlerweile ist klar, Tinnitus ist nicht in den Ohren, sondern im Kopf. 

Tinnitus ist auch keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, der Ausdruck einer Fehlregulation in der Hörbahn. Die Nervenzellen der Hörbahn lösen Signale aus, obwohl kein Stimulus vorhanden war. 

Letztlich ist unser Hören am Ende immer Kopfsache und beruht auf der Aktivität der entsprechenden Neuronen in den Hörzentren. Feuern diese nun ohne äußeren Grund, wird dies trotzdem als Geräusch interpretiert.

Welche Rolle spielt die Evolution dabei?

Unser Gehörsinn ist äußerst empfindlich, kann „um die Ecke“ hören und auch auf Distanz – bestens geeignet also, um sich nähernde Gefahren zu erlauschen. Somit sind wir evolutionär darauf geeicht, plötzlich auftretenden Geräuschen sofort und automatisch unsere Aufmerksamkeit zu widmen und sie zu beurteilen. 

Diese Beurteilung findet im limbischen System statt und passiert in der Regel vor Erreichen des Bewusstseins. Wir können also gar nicht anders, als Töne negativ oder positiv zu beurteilen, je nach erlebter und damit verknüpfter Situation. 

Warum können wir den Tinnitus so schwer überhören?

Somit wird ein akut auftretender Tinnitus als neuer akustischer Reiz erstmal aufmerksam gehört. Wenn die damit verbundene Situation eher belastend war, wird der Tinnitus automatisch negativ bewertet. 

Als Folge widmen wir dem Tinnitus jetzt unsere erhöhte Aufmerksamkeit – ein teuflischer Kreislauf. 

Durch die erhöhte Aufmerksamkeit scheint der Tinnitus immer lauter zu werden. Dies wiederum erhöht die empfundene Belastung durch das Geräusch und die Stresslevel im Körper. 

Objektiv vs. Subjektiv

Der objektive Tinnitus ist sehr selten (0,01% der Fälle). Hier können die Geräusche auch von außen hörbar gemacht werden. Die Ursache für das oft pulsierende Geräusch sind dann Körperfunktionen, wie eine Änderung im Blutstrom. 
Der subjektive Tinnitus ist die häufigste Form. Die Geräusche sind hier nur für den Betroffenen hörbar und kommen weder von außen noch von Körperfunktionen. Die möglichen Ursachen sind hier um einiges vielfältiger. 

Kompensiert vs. Dekompensiert

25% der Deutschen hatten schon einmal Tinnitus. 13% hören Tinnitus sogar dauerhaft. Aber nur 2% fühlen sich so stark belastet durch die Ohrgeräusche, dass ihr Leben eingeschränkt ist und auch ihre Arbeitsfähigkeit leidet. In diesen Fällen spricht man von einem dekompensierten Tinnitus. 
Die meisten, die Tinnitus haben, konnten sich gut damit arrangieren (kompensierter Tinnitus) und fühlen ihr Leben nicht weiter beeinträchtigt.  

Die drei häufigsten Verdächtigen bei der Suche nach Ursachen...

Nr 1 - Hörverlust

Wenn durch einen Hörverlust in den Ohren weniger Signale in der Hörbahn unterwegs sind, ist das die häufigste Ursache für einen Tinnitus. Nicht jeder Hörverlust führt dabei zwangsläufig zu Tinnitus. Vielmehr ist entscheidend, welche Nervenstränge betroffen sind, denn einige haben die Aufgabe, Stille zu definieren. Fallen diese weg, nehmen wir in dem betroffenen Bereich plötzlich unser natürliches Grundrauschen wahr, da die spontane Aktivität der übrigen Nerven nicht mehr gehemmt wird. Nun muss gelernt werden, Stille neu zu definieren. 

Nr 2 - Kiefergelenk und HWS

Meistens nicht die alleinige Ursache, aber sehr häufig ein Verstärker beim Tinnitus. 
Die Nerven in unserem Nacken- und Kopfbereich laufen durch Verarbeitungs-knoten, wo nicht nur sensorische Eindrücke unserer Kopfstellung und Muskel-anspannung, sondern auch die akustischen Reize von den Ohren hindurch gehen. Hier kann es zu Verkreuzungen der Bahnen kommen. Dann werden Signale über die Kopfhaltung weiter in die Hörbahn gelenkt und selbst als Geräusch wahrgenommen oder sie verstärken einen schon vorhanden Tinnitus. 

Nr 3 - Stress 

Je mehr Stresshormone in unserem Körper unterwegs sind, desto schwieriger ist es, einem akustischen Signal, das im Kopf klingelt, keine Aufmerksamkeit zu schenken. Die eigentliche Ursache mag auch hier in einer Fehlregulation der Hörbahn liegen, aber der Stress war entscheidend für die vermehrte Wahrnehmung des Tinnitus. Man spricht hier auch von einem Tinnitus- Leiden. Um diesem Teufelskreislauf zu entkommen, muss erlernt werden, den Tinnitus nicht zu beachten und für sich neu zu definieren, was Stille und Entspannung ist. 

Akut vs. Chronisch

Ein Ohrgeräusch tritt oft plötzlich auf und geht spontan wieder weg. Solange der Tinnitus weniger als 3 Monate besteht, ist er noch in der akuten Phase.
Erst ab einem längeren Zeitraum spricht man von chronischem Tinnitus. Die Unterteilung ist wichtig, da dieselben Maßnahmen nicht bei beiden Formen helfen. 

Mit Hörverlust vs. Ohne Hörverlust

Mehr als die Hälfte der Tinnitus-Betroffenen haben auch einen Hörverlust! Die häufigste Form von Hörverlust ist eine Abnahme der Sensitivität im Hochton-Bereich. Ist ein Hörverlust vorhanden liegt der Tinnitus Ton sehr oft in diesem Bereich, am häufigsten zwischen 6 u 8 kHz. 

Geschichte des Tinnitus

Schon im alten Ägypten wusste man nicht recht, wie der "Sturm im Ohr" am besten zu behandeln ist. Vom Einfüllen von Ölen und Kräutern ins Ohr, ist heute abzuraten!

Im alten Babylonien versuchte man einen Mann, dessen "Ohren singen", mit Zaubersprüchen zu befreien. 

Auch Hippokrates kannte Ohrgeräusche, welche er als Pulsieren der Venen verbunden mit Schwerhörigkeit erklärte - er lag gar nicht so daneben.

Aristoteles kam darauf, dass äußere, angenehme Geräusche, wie Meeresrauschen, das innere Geräusch verdrängen können - heute noch nutzen wir Verdeckung oder Maskierung bei der Tinnitus Therapie. 

Eckdaten

25% der Deutschen hatten schon einmal Tinnitus
jährlich sind es über 300 000 neue Fälle

In anderen Ländern gibt es ähnliche Studien, so sind es in China knapp 15%, in Schweden fast 17%, in Australien 37%

Frauen sind weniger gefährdet wie Männer (40% weniger)

Hauptrisiken für Tinnitus sind in fast allen Studien Hörverlust, Stress, Lärmbelastung und zunehmendes Alter

Mythen aufgeräumt

1) der Tinnitus kann von alleine, oder mit der Zeit nicht lauter werden - eher wird er mit der Zeit immer weniger laut wahrgenommen!
 
 2) der Tinnitus kann nie der Grund für eine, ggf. weitere Hörverschlechterung sein. Der Tinnitus kann auch keine "Lärm"-Schäden" im Ohr verursachen.

3) der Tinnitus alleine kann auch nicht verrückt machen.

4) der Tinnitus kann von außen nie lauter als 10 - 15 dB (entspricht Blätterrascheln oder Computergeräusch) über der Hörschwelle gemessen werden. 

Finden Sie raus, 
was Ihre ganz persönlichen Ursachen sind.